Performance Art: So perfektioniert dieser Fußballer aus Mexiko City seine Skills

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Alan Landeros entdeckte die Straßenfußballszene in seiner Nachbarschaft erst, als er 16 war. Aber er holt die verlorene Zeit in rasantem Tempo nach.

Letzte Aktualisierung: 28. Oktober 2021
5 Min. Lesezeit
Straßenfußballer Alan Landeros aus Mexiko-Stadt feilt an seinen Skills

"Snapshots" ist eine Serie über die tiefe emotionale Verbindung zum Sport, dokumentiert in inspirierenden Momentaufnahmen.

"Snapshots" ist eine Serie über die tiefe emotionale Verbindung zum Sport, dokumentiert in inspirierenden Momentaufnahmen.

Es ist niemals zu spät, seine Leidenschaft für den Sport zu entdecken. Alan Landeros, ein 20-jähriger Student in Mexiko City, hat den Straßenfußball über das Internet kennengelernt. Die Kreativität der Spieler hatte es ihm vom ersten Moment an angetan. Straßenfußball ist rasanter als normaler Fußball und wird auf kleineren Flächen gespielt. Es geht um Ballkontrolle auf engstem Raum, um individuelle Fähigkeiten und schnelle Reaktionen. Spieler wie Alan verbringen Stunden damit, sich die verschiedensten Tricks anzutrainieren, mit denen sie im Wettkampf mit anderen Spielern brillieren können. Für Alan ist das weniger ein Spiel als eine Form der persönlichen Entfaltung.

Wir treffen ihn auf einem Platz bei ihm um die Ecke im Axomiatla Park, wo er uns mit Kostproben seines Könnens beeindruckt. Während einer kurzen Pause erzählt uns Alan alles über seine Straßenfußball-Community und wie ihm der Sport hilft, seine Kreativität auszuleben.

Wie bist du zum Straßenfußball gekommen?

Als ich jünger war, habe ich mit den Kids aus der Nachbarschaft Fangen oder Verstecken gespielt. Als wir dafür zu alt wurden, bin ich irgendwann zu Hause geblieben und habe im Internet Videos angeguckt. So bin ich auf Straßenfußball gekommen. Da war ich 16. Niemand, den ich kannte, interessierte sich genug für diesen Sport, um ihn mit mir zusammen zu machen. Aber das war völlig OK, denn zumindest was Tricks und Kombinationen angeht, musst du ohnehin allein trainieren. Ich fing an, das nachzuspielen, was ich online sah, all die Tricks und Combos der berühmten Spieler. Irgendwann entwickelte ich so meinen eigenen Stil.

Straßenfußballer Alan Landeros aus Mexiko-Stadt feilt an seinen Skills

Erzähl uns mehr über die Straßenfußballszene in Mexiko City …

Jeder Straßenfußballer hat seinen eigenen Style. Wir sind alle Freunde, aber wenn wir zusammen trainieren oder im Wettkampf gegeneinander antreten, sind wir definitiv auch Konkurrenten. Am Anfang kannte ich niemanden aus der Straßenfußballszene, und ich war unsicher, ob mich die Community akzeptieren würde. Bevor ich die Spieler der lokalen Szene traf, bewunderte ich sie, und das tue ich immer noch. Aber jetzt bin ich Teil eines Teams und habe mit Freunden sogar mein eigenes Team gegründet.

Was gefällt dir am Training hier?

Das hier ist eine ziemlich ruhige Gegend. Auf dem Hin- und Rückweg fühle ich mich sicher, und auch auf dem Platz hat man nicht das Gefühl, dass es gefährlich wäre. Dieser Teil der Stadt liegt wesentlich höher als das Zentrum, daher ist es hier auch etwas kühler. Und man muss den Berg rauflaufen, um hierher zu kommen, was für mich schon Teil des Trainings ist.

"Ich bin unkonventionell. […] Ich ruhe mich nicht auf dem aus, was ich bereits erreicht habe."

Straßenfußballer Alan Landeros aus Mexiko-Stadt feilt an seinen Skills

Wie hilft dir Straßenfußball, dich selbst zu entfalten?

Durch den Straßenfußball habe ich meine Kreativität entdeckt. Wenn ich zum Beispiel neue Combos entwickle, gerate ich zwischen den Tricks manchmal in eine Art Flow und sehe einfach was passiert. Ich denke, das sagt viel über mich als Person aus. Oder ich nehme einen Trick, den ich beherrsche, und variiere ihn so lange, bis etwas völlig Neues entstanden ist. Ich würde sagen, ich bin ein unkonventioneller Konformist: Ich ruhe mich auf dem aus, was ich bereits erreicht habe.

Du bist relativ spät zu diesem Sport gekommen. Wie hat er dich als Mensch verändert?

Früher war ich ziemlich schüchtern. Am Anfang habe ich mich noch nicht einmal getraut, im Park oder an einem öffentlichen Ort zu trainieren, wo mich die Leute sehen konnten. Das hat mich nervös gemacht. Inzwischen ist das anders. Jetzt trainiere ich jeden Tag zwei bis drei Stunden lang, egal, wo ich gerade bin. Manchmal filme ich meine Combos an historischen Plätzen unten im Zentrum, zum Beispiel am Revolutionsdenkmal. Da sind ständig viele Leute unterwegs. Wenn sie stehenbleiben und zuschauen, nutze ich das für mein Video.

Straßenfußballer Alan Landeros aus Mexiko-Stadt feilt an seinen Skills

Wie arbeitest du an deinen Skills?

Ideen fallen mir zu jeder Tages- und Nachtzeit ein. Manchmal reicht es, wenn ich mir einfach ein altes Video von mir anschaue. Bei schwierigen Tricks warte ich aber lieber bis zum Training. Ich habe mich in der Vergangenheit öfter verletzt, wenn ich etwas Neues ausprobiert habe, ohne einen wirklichen Plan zu haben. Einmal habe ich mir mein Knie so kaputt gemacht, dass ich vier Monate nicht trainieren konnte. Als ich dann wieder anfing, merkte ich, dass ich Angst hatte, neue Dinge zu machen, weil ich mich nicht nochmal verletzen wollte. Dadurch wurde es aber nur schlimmer, denn ich entwickelte mich nicht mehr weiter und verlor die Motivation. Jetzt versuche ich, mehr mit dem Kopf an die Sache ranzugehen, auch wenn ich am Ende natürlich immer noch ein Risiko eingehe. Wenn ich falle, ist das OK. Aber ich möchte nicht ständig auf der Stelle treten.

Text: Karina Zatarain
Fotos: Darryl Richardson

Gemeldet: September 2020

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