Was ist kinesiologisches Tape und wie wird es eingesetzt?

Gesundheit und Wellness

Sicher sind dir schon Sportler:innen mit bunten Klebebändern auf Knöcheln, Knien oder Schultern aufgefallen. Was hat es damit auf sich, und wäre das auch etwas für dich?

Letzte Aktualisierung: 25. Juli 2022
6 Min. Lesezeit
Was ist kinesiologisches Tape und wie wird es verwendet?

Wenn du im Zusammenhang mit einer Verletzung vielleicht schon einmal bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten warst oder bei einer Elitesportveranstaltung zugeschaut hast, sind dir die kinesiologischen Tapes sicher bereits aufgefallen. Die beliebten Klebebänder werden von Sportler:innen sehr geschätzt.

Warum ist das Tape so beliebt? "Die Magie der K-Tapes steckt in ihrer elastischen Struktur", erklärt Alina Kennedy, zertifizierte Kraft- und Konditionsspezialistin, Lauftrainerin und Physiotherapeutin. "Beim Aufkleben wird das Tape gedehnt. Es zieht sich anschließend wieder zusammen und verursacht kleine Falten in der Haut. Man geht davon aus, dass dadurch der Blut- und Lymphfluss unter der Haut angeregt wird. Das ist gut bei Verletzungen, denn dadurch wird die Heilung angeregt und die Regeneration beschleunigt."

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So funktioniert das kinesiologische Tape

Wenn das kinesiologische Tape an der Haut zieht, entsteht ein kleiner Raum zwischen Haut und darunterliegendem Gewebe. Das regt nicht nur, wie von Kennedy beschrieben, den Blut- und Lymphfluss an, sondern gibt auch den Gelenken mehr Bewegungsfreiheit.

So lässt zum Beispiel eine Studie darauf schließen, dass das patellofemorale Gelenk durch das Tapen des Knies mehr Platz bekommt. Auch wenn das nur wenig Platz ist, kann er ausreichen, um die Gelenkirritation bei Bewegung zu reduzieren.

Außerdem weist Kennedy auf die mentale Komponente hin. K-Tapes vermitteln in bestimmten Körperregionen ein Gefühl von mehr Halt, sei es am Knöchel, am Knie oder an anderen Stellen. Auch wenn deine Bewegungen davon nicht beeinflusst werden, kann dir ein Tape um dein Gelenk ein Gefühl von zusätzlicher Stabilität geben, so Kennedy.

In ihrer Praxis nutzt Kennedy K-Tapes oft bei Muskelverletzungen wie leichten Muskelzerrungen mit minimalem Kraft- und Bewegungsverlust in Wade und Oberschenkel. Sie hat außerdem die Erfahrung gemacht, dass Tapes Läufer:innen mit Muskelermüdung und -krämpfen auf langen Strecken helfen können – sowohl beim Training als auch beim Wettkampf.

Das Tape unterstützt darüber hinaus den Wiederaufbau schwacher oder ungleichmäßig entwickelter Muskeln. Für eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2017 wurden Teilnehmer:innen mit chronisch vorgebeugtem Kopf untersucht. Diese Haltung kann Druck auf die Halswirbelsäule verursachen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Kopfposition verbessert, wenn das Tape auf Nacken und unteren Rücken aufgebracht wird.

3 Tipps für die Verwendung von kinesiologischem Tape

Selbst wenn du keine Schmerzen hast, solltest du dir zunächst von einem Profi zeigen lassen, wie du das Tape aufklebst, empfiehlt Whitney Heins, zertifizierte Lauftrainerin und Gründerin der Lauf-Community The Mother Runners. So erhältst du wertvolle Tipps und Anleitungen, die es dir später leichter machen, das Tape selbst aufzukleben.

Wenn du das Tape für ein wichtiges Event wie ein Spiel oder einen Wettkampf verwenden möchtest, empfiehlt Heins, es sich ein oder zwei Tage vor dem Event von einem Profi aufbringen zu lassen. Das Tape bleibt mehrere Tage kleben und du weißt gegebenenfalls, wo und wie du es wieder aufkleben musst.

Egal, warum du ein K-Tape verwendest, berücksichtige immer die folgenden Dinge:

  1. Reinige den Bereich zunächst, reibe ihn mit Alkohol ab und lass in trocknen. So klebt das Band besser und länger.
  2. Bring den mittleren Bereich des Tapes im gewünschten Bereich auf, vor allem bei kleineren Muskelverletzungen. Das ist der Teil, der die größte Dehnung aufweist. Bei einer gezerrten Wade zum Beispiel würdest du den mittleren Teil des Tapes auf die Rückseite des Unterbeins kleben.
  3. Die Enden des Tapes dürfen nicht unter Spannung stehen. Der mittlere Teil mit der größten Dehnung sollte mit geraden Kanten abschließen.

Und denk daran: "K-Tapes reduzieren bei vielen Sportler:innen die Schmerzen, sie sind aber keine Behandlung im eigentlichen Sinn und können Verletzungen nicht heilen", so Kennedy. "Wenn du Schmerzen hast, ist es wichtig, sie physiotherapeutisch oder sportmedizinisch beurteilen zu lassen, bevor du K-Tapes verwendest."

Das Knie tapen

An der Startlinie von Laufwettbewerben wirst du viele Knie mit bunten Tapes sehen, und bei jedem verläuft das Klebeband anders. "Es gibt nicht die eine richtige Methode", erklärt Kennedy. Probier einfach aus, was dir die richtige Stabilität verleiht. Physiotherapeut:innen können dir helfen, die Methode zu finden, die für dein Problem am besten funktioniert.

Am einfachsten sind speziell für das Knie vorgeschnittene kinesiologische Tapes. Man nennt sie auch Y-Strips. Ein extrabreites Tape wurde teilweise in der Mitte geteilt.

  1. Beginne etwa 8 bis 10 Zentimeter über dem Knie.
  2. Klebe das Tape so auf, dass der Beginn der "Spaltung" über der Kniescheibe liegt. Führ das Tape an beiden Seiten an der Kniescheibe vorbei, sodass diese frei bleibt.
  3. Je nach Hersteller weist das Tape noch einen weiteren Strip unter der Kniescheibe auf oder es verläuft in zwei Teilen, die hinter dem Knie gekreuzt werden. Das sorgt für mehr Stabilität, so Kennedy.

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Den Knöchel tapen

Wenn sich der Knöchel steif oder instabil anfühlt oder leicht schmerzt, kann ein K-Tape laut Kennedy helfen, solange keine richtige Verletzung vorliegt. So gehst du beim Tapen vor:

  1. Beginne auf der Außenseite des Beins, etwa 10 bis 15 Zentimeter oberhalb des Knöchels.
  2. Führ das Tape mit Spannung über die Ferse, als ob du deinen Fuß in einen Steigbügel setzen würdest.
  3. Zieh das Tape auf der anderen Seite über die Innenseite der Ferse wieder nach oben.
  4. Kleb ein weiteres Stück Tape auf die Rückseite deines Fußes direkt über die Achillessehne.
  5. Führ das Tape um den Knöchel. Das Tape sollte so fest sitzen, dass es dem Knöchel Halt gibt, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Auf die gleiche Weise würdest du einen verstauchten Knöchel tapen, um die Heilung zu unterstützen. Das heißt aber nicht, dass du mit dem Tape dann einfach wieder Sport machen kannst. Das Tape unterstützt die Mobilität des Gelenks während der Heilung, aber du solltest nicht wieder voll durchstarten. Das gilt übrigens für jede Verletzung, also auch für Meniskusverletzungen oder Probleme mit der Rotatorenmanschette.

Bei ernsthaften Verletzungen wie Zerrungen oder Verstauchungen solltest du deine Ärztin oder deinen Arzt fragen, wann du wieder Sport machen darfst.

Text: Elizabeth Millard

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