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Intuitiv essen und genießen

Anstatt ständig darauf zu achten, was du isst, solltest du auf dein Bauchgefühl hören. Es kann gut sein, dass du gesundes Essen dann richtig genießen kannst.

Letzte Aktualisierung: April 6, 2021
Intuitiv essen und genießen

Stell dir vor, du könntest einfach essen, was und wann du willst – und das voller Genuss und ohne Reue. Das ist der Grundgedanke bei intuitivem Essen.

"Ein intuitiver Esser ist jemand, der seinem Hunger vertraut und ihn achtet, der keine Schuldgefühle bei der Wahl seiner Lebensmittel hat und in der Lage ist, Prioritäten zu setzen und das Essen zu genießen", erklärt Christy Harrison, anerkannte Diätassistentin, Begründerin der Anti-Diet Ernährungsbewegung und Autorin des Buchs Anti-Diet: Reclaim Your Time, Money, Well-Being, and Happiness Through Intuitive Eating.

Intuitive Esser geben sich die bedingungslose Erlaubnis, zu essen – was sie wollen, wann sie wollen und wie viel sie wollen.

Falls das nach ziemlichem Chaos klingt, sollte man sich vor Augen führen, dass dies eine der ältesten menschlichen Fähigkeiten sei, so Harrison. Genau wie das Sitzen in der tiefen Hocke oder tiefes Bauchatmen ist intuitives Essen eine angeborene Fähigkeit, fügt sie hinzu. "Sieh dir Babys an: Sie essen freudig die verschiedensten Nahrungsmittel und schieben sie dann weg, wenn sie satt sind."

Dieses natürliche Gefühl geht uns durch unsere "Diätkultur", wie Harrison sie nennt, oder durch die ständigen Hinweise und Ratschläge, was man essen oder nicht essen sollte, verloren.

Die Diätkultur zeigt uns Schlankheit als Ideal und setzt sie mit Gesundheit und Charakterstärke gleich", sagt sie. "Sie stellt Abnehmen in den Vordergrund, schwört auf einige Nahrungsmittel und verteufelt andere. Gleichzeitig schaut sie auf Menschen herab, die nicht zu dieser Auffassung von Gesundheit passen, insbesondere auf Menschen mit kräftigerem Körperbau."

"Diese Denkweise kann frustrierend und mental anstrengend sein und letztlich dazu führen, dass Menschen sich schlecht fühlen, wenn sie sich nicht 'richtig' verhalten."

Christy Harrison, anerkannte Diätassistentin und gegen Diäten

Bei der Diätkultur geht es aber nicht nur um ständig neue Diätmethoden, sondern sie macht sich auch in der Sprache bemerkbar, mit der wir gesunde Ernährung beschreiben, erklärt Harrison. "Begriffe wie 'Clean Eating' oder 'verarbeitete Lebensmittel' mögen ganz vernünftig klingen, aber selbst hier klingt subtil die Diätkultur durch."

Manche, die diese Regeln befolgen, verlieren jegliche Freude am Essen, für andere kann sie eine Reihe von Problemen wie emotionales Essen oder die absolute Fixierung auf eine gesunde Ernährung verursachen. "Man fragt sich ständig, ist dieses Essen 'clean' genug? Ist es 'unverarbeitet' und 'Vollkorn' genug?", sagt Harrison. "Diese Denkweise kann frustrierend und mental anstrengend sein und letztlich dazu führen, dass Menschen sich schlecht fühlen, wenn sie sich nicht 'richtig' verhalten."

Forschungen stützen ihre Ansicht und zeigen, dass Diäten und die Einschränkung von Nahrungsmitteln unweigerlich eine Gewichtszunahme zur Folge haben. (In einem richtungsweisenden Bericht der University of California aus dem Jahr 2007 untersuchten Forscher 31 Langzeitstudien zu verschiedenen Diäten. Sie stellten fest, dass die meisten Menschen unabhängig von der Diätmethode das, was sie an Gewicht verloren hatten, nach Ende der Diät wieder zunahmen – und noch weitere Kilos dazukamen. Gesundheitliche Vorteile konnten die Teilnehmenden keine feststellen.) Der Grund für diese Gewichtszunahme? Wenn man bestimmte Nahrungsmittel einschränkt, hat man unweigerlich noch mehr Appetit darauf und kann an fast nichts anderes mehr denken, erklärt Harrison. Und wenn man es nicht schafft, "die Regeln" einzuhalten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dieses vermeintliche Scheitern aus biologischen und psychologischen Gründen mit Essen zu kompensieren.

Beim intuitiven Essen hingegen gibt es keine Regeln – du selbst trägst die Verantwortung.

Wenn du damit beginnst, solltest du darauf achten, ob und was du essen möchtest. Hör auf zu essen, wenn du dich satt fühlst, und frag dich danach, ob es irgendetwas gab, das die Mahlzeit noch befriedigender hätte machen können, sagt Harrison. Vielleicht stellst du fest, dass du nach einer Stunde schon wieder hungrig bist, wenn du mittags Chips statt eines Sandwichs gegessen hast. Oder du merkst, dass die Chips deinen Heißhunger auf etwas Salziges gestillt haben und du bei der nächsten Mahlzeit oder beim nächsten Snack nicht mehr so unkontrolliert isst.

Vielleicht denkst du an dem Punkt Ich könnte eigentlich ständig nur Chips und Kuchen essen. Harrison räumt ein, dass die meisten Menschen diese Phase durchlaufen, in der man sich völlig frei für alles entscheiden kann. "Es kann sein, dass dich besonders die Nahrungsmittel reizen, die du dir bislang immer verboten hast, weil du sie für 'schlechtes Essen' gehalten hast", sagt sie. "Obwohl der Heißhunger auf diese zuvor 'verbotenen' Nahrungsmittel nicht unbedingt ganz verschwindet, wird er durch das Verlangen nach anderen Dingen ausgeglichen." Manchmal werden es immer noch Chips und Kuchen sein, manchmal aber auch Obst oder Gemüse.

Dieses Gleichgewicht sei gesund, sagt sie. Vor allem, wenn man, genau wie als Baby, intuitiv die Nährstoffe und die Menge an Nahrung aufnehmen kann, die der Körper braucht – und das auch genießen kann.

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