So motivierst du dein Kind zu regelmäßiger Bewegung

Coaching

Mit diesem altersbasierten Trainingsplan verbesserst du die Verbindung deiner Kinder zu Sport und förderst dadurch ihre körperliche und psychische Gesundheit.

Letzte Aktualisierung: 13. Juli 2021
So bringst du deine Kinder laut Experten dazu, sich mehr zu bewegen

Wenn sich dein Kind im Alter von 2 bis 17 Jahren nicht ausreichend bewegt, bist du damit einerseits nicht allein und andererseits ist es nicht dein Fehler. Sprich es ruhig einmal aus: "Es ist nicht mein Fehler".

Dass wir ständig verbunden sind, erleichtert unseren Alltag, führt aber auch dazu, dass wir viel mehr sitzen, so Adam Rosante, der im Bereich Kraft und Ausdauer mit Kindern arbeitet. Noch dazu haben die Schulen im Verlauf der letzten 20 Jahre zunehmend bei Aktivitäten und Sportunterricht abgebaut. Während der Pandemie haben zwar virtuelle Angebote einen Boom erfahren, Gruppenaktivitäten im echten Leben sieht man aber immer seltener. Gerade diese Aktivitäten werden jedoch von Kindern bevorzugt, so Rosante.

Die Wissenschaft hinter den Bildschirmen

Wären Gaming und Videogucken olympische Disziplinen, hätten unsere Kinder alle Goldmedaillen. "Wenn wir vor unseren Bildschirmen sitzen, kann das Gehirn viel Dopamin abgeben", so Lisa Jo Gagliardi, ehemalige Koordinatorin für die Gesundheit in Schulen in Michigan und Gründerin des Beratungsunternehmens LJ Gagliardi: Building a Whole Child Toolbox. Dopamin ist als Neurotransmitter für die Genuss- und Belohnungssysteme in unserem Körper verantwortlich und sorgt mitunter dafür, dass es uns so schwerfällt, vom Bildschirm wegzukommen, also quasi ein suchtähnliches Verhalten, so Gagliardi.

Zum Glück wird auch bei körperlichen Aktivitäten Dopamin ausgeschüttet. Der Unterschied: Bewegung ist anstrengender. Sie müssen sich die passende Spiel- oder Trainingsbekleidung anziehen, sich dann dazu motivieren, ihren Freunden oder einem Ball nachzulaufen und hinterher vielleicht noch duschen. Da fällt es doch leichter, sich mit der Fernbedienung auf das Sofa fallen zu lassen. Die Freizeit im Sitzen zu gestalten ist insgesamt einfacher, bereitet Kindern jedoch nicht mehr Freude. Im Rahmen einer Studie wurde gezeigt, dass Kinder, die eine zweiminütige Pause mit einer Aktivität verbringen anstatt mit einem iPad zu spielen, mehr Freude an der Aktivität haben, so die Erstautorin der Studie Rebecca Hasson, PhD und Professorin für Kinesiologie an der University of Michigan.

Wir müssen Kindern viele Gelegenheiten fürs Spielen und Trainieren bieten und sie möglichst gut dazu motivieren. Je mehr wir ihnen davon bieten, so Gagliardi, "desto eher werden in ihrem Gehirn die dadurch ausgelösten guten Gefühle erkannt."

Starker Einfluss durch die Eltern

Zwar wollen wir dich nicht unter Druck setzen, aber deine Vorbildrolle kann für die künftige Beziehung deines Kindes zum Sport von maßgebender Bedeutung sein, so Diana Cutaia, Gründerin von Coaching Peace Consulting, die mit dem Social and Community Impact Team von Nike und mit mehreren Schulen zusammenarbeitet. "Jedes Mal, wenn du über Aktivitäten sprichst, selbst wenn es bloß um dein eigenes Training geht, kannst du dein Kind zu Sport motivieren, es aber auch davon fernhalten", erklärt sie. Das liegt daran, dass die Sichtweise von Kindern durch die Worte und Taten der Menschen um sie herum beeinflusst wird. Die ersten Bezugspersonen sind dabei die Eltern.

Hier sind einige Tipps und Stolperfallen, die Eltern beachten sollten.

Die positiven Aspekte des Trainings hervorheben.

Sprich mit deinem Kind über deine Aktivitäten, während du dich darauf vorbereitest oder davon zurückkehrst. Dabei solltest du dein Training als etwas darstellen, das dir Freude bereitet, so Cutaia. Berichte zum Beispiel davon, wie dein Lauf am Morgen deine Energie weckt oder wie stark du dich nach dem Gewichtheben fühlst. Dadurch kannst du die Neugier deines Kindes wecken, durch Sport positive Emotionen zu erleben, so Hasson.

Zwing dein Kind nicht zum Workout.

Wenn Kinder sich zum Sport gezwungen fühlen und keine Wahlfreiheit bei ihren Aktivitäten haben, wehren sie sich möglicherweise dagegen, so eine Studie im Fachjournal Medicine & Science in Sports & Exercise. Wenn Kinder nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Aktion umsetzen. Ermutige dein Kind dazu, sich täglich eine Stunde zu bewegen, was laut den Centers for Disease Control and Prevention von weniger als 25 Prozent der Kinder zwischen 6 und 17 erreicht wird.

So bringst du deine Kinder laut Experten dazu, sich mehr zu bewegen

Grundlagen spielend aufbauen

Zwar gibt es kein Konzept, das sich für alle Kinder eignet. Aber mit diesen allgemeinen Leitlinien kannst du dein Kind zu mehr Bewegung und einem nachhaltig gesunden Lebenswandel motivieren. Wenn du nicht die Zeit hast, um die folgenden Tipps umzusetzen, empfiehlt Rosante, Verabredungen mit Nachbarskindern oder Freunden festzulegen, damit ihr euch gegenseitig unterstützen könnt.

Alter 2 bis 5: Die Grundsteine legen

Die Kleinsten haben ihre Bewegungsabläufe noch nicht voll entwickelt und setzen daher verstärkt auf Reizinformationen, also was sie sehen, hören, riechen oder ertasten, so Hasson. Deshalb solltest du in diesem Alter die aktive Zeit auf die Weiterentwicklung von motorischen Fähigkeiten ausrichten, etwa durch Gehen, Laufen, Werfen oder Klettern, sagt sie. Zudem sollten die Aktivitäten ein spielerisches Erlebnis sein. Du kannst die Kinder zum Beispiel mit einem weichen Ball werfen oder Fangen spielen lassen, um grundlegende Bewegungsabläufe zu fördern.

Alter 6 bis 9: Kurze Aktivitäten, die Spaß machen

Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ist recht kurz und beträgt etwa 2 bis 3 Minuten pro Lebensjahr, sagt Hasson. Zum Glück funktionieren Kinder in diesem Alter automatisch in Form von Intervallen, erklärt sie. Dadurch lassen sich Aktivitäten mit schnellen, vorübergehenden Bewegungen wie ein kurzer Tanz oder ein kleiner Staffellauf spielerisch umsetzen.

Laut Rosante sollte der Schwerpunkt dabei auf die Weiterentwicklung der Koordinationsfähigkeit gelegt werden. "Echte oder imaginäre Schwebebalken eignen sich dafür ideal", sagt sie. Bei einem Lava-Spiel lässt sie Kinder über einen Balken oder eine festgelegte Linie gehen, einen Ball aufheben und zurückgehen, während sie sich vorstellen, dass Lava unter und neben ihnen fließt. Für welche Aktivität du dich auch entscheidest, achte stets auf einen kurzen Zeitrahmen, um der Aufmerksamkeitsspanne in diesem Alter gerecht zu werden.

Alter 10 bis 13: Freunde ins Spiel bringen

Wenn Kinder in die weiterführende Schule kommen, insbesondere in die fünfte und sechste Klasse, sinkt das körperliche Aktivitätsniveau laut Studien um 50 Prozent. Zum einen wird in diesen Jahrgangsstufen keine Bewegung zwischendurch angeboten, zum anderen können Kinder, denen Sport ohnehin schwer gefallen ist, ganz aussteigen. Außerdem schauen sich insbesondere 12- und 13-Jährige Gewohnheiten bei ihren Freunden ab, wobei leider oft ein Digitalgerät im Mittelpunkt steht.

Diese sozialen Aspekte kannst du dir zunutze machen, sagt Rosante. Veranstalte ein Fußball- oder Basketballspiel mit mehreren Freunden oder bau einen Hindernisparcours auf, in dem Teams gegeneinander antreten. Wenn dein Kind viel am iPad sitzt und sich zum Beispiel Harry Potter-Filme ansieht, baust du einfach etwas Zauberei ins echte Leben ein und veranstaltest draußen eine eigene Variante des Quidditch-Spiels.

Ab 14: Sport befürworten

Teenager hören nur bedingt auf Anweisungen und lassen sich im Vergleich zu jüngeren Kindern nur schwer für einfachere Spiele begeistern, sagt Rosante. Abhilfe schaffen Sportarten im Freien, Wettkämpfe mit der Familie oder Nachbarn und Hobbys wie Tanzen oder Karate. Finde heraus, was dein Kind wirklich mag, und entwickle daraus Aktivitäten, die Spaß machen und unterhaltsam sind. Das kann Unterricht sein oder einfach nur ungezwungene Bewegung gemeinsam mit dir im Freien.

Es ist nie zu spät, mit Aktivitäten außerhalb der Schule anzufangen. Wenn dein Kind also LeBron-Fan ist oder sich die Haare wie Megan Rapinoe färben möchte, kannst du auch gleich anregen, dass es mit der entsprechenden Sportart anfängt. Wenn dir das nicht gelingt oder es sich nicht umsetzen lässt, kannst du versuchen, dein Kind anders zum Sport zu motivieren. Kauf zum Beispiel ein gebrauchtes Tornetz oder frag dein Kind, ob es dir seinen Lieblingstanz von TikTok zeigt. So kann man selbst vor dem Bildschirm in Bewegung kommen, erklärt Hasson.

Gib nicht auf, bleib experimentierfreudig und schon bald bewegst du auch dein Kind zu einem aktiven, gesunden Lebenswandel.

Text: Rozalynn Frazier
Illustration: Kezia Gabriella

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