Work (Out) From Home: Wie der Sport in Zeiten der Pandemie unsere Zukunft prägt

Innovation

Profitrainer und Freizeitathleten über Tipps und Tricks, Workarounds, Zusammenbrüche und Durchbrüche, die uns alle stärker machen.

Letzte Aktualisierung: 22. Dezember 2021
16 Min. Lesezeit
Tipps für das Workout zu Hause

"Wir sind Innovation" ist eine Serie über die Herausforderungen, die Athletinnen und Athleten durch innovatives Denken meistern.

"Wir hatten andere Pläne im Kopf", erzählt Joelle D’Fontaine. "Aber dann kam Corona und meinte: 'nicht jetzt, Alter'."

Bis 2020 reiste Nike Trainer und Choreograf Joelle D'Fontaine viele Jahre zwischen seinen Tanz-Fitnessstudios in London und Brooklyn hin und her. Als COVID-19 über den Globus schwappte, saß er plötzlich zu Hause fest, weg von seinem Business, seinen Kunden – und seinem Fitnessraum. Wie unzählige andere Menschen auf der Welt nahm auch er sich eine Auszeit. ("Ich habe jeden Anime-Film gesehen, den man sich vorstellen kann, auch die schlechten.") Dann wurde er kreativ.

"Ich wollte keine halben Sachen machen. Ich habe Lichtleisten, eine Spiegelwand und sogar eine Nebelmaschine", sagt D'Fontaine über das Wohnzimmer, aus dem er in seiner Londoner Wohnung eine Tanzfläche gemacht hat. Von hier aus begann er, seine Kurse global zu streamen. "Die Kurse der anderen sehen schick aus ... aber meine sind schicker."

Fitness-Tipp in Zeiten der Pandemie: DIE RICHTIGE STIMMUNG ZÄHLT. Um seinen Zoom-Kursen mehr Pepp zu verpassen, stehen in der Londoner Wohnung von Choreograf und Fitnesstrainer Joelle D’Fontaine eine Nebelmaschine und ein Disco-Licht parat. (Videos: @joelledfontaine)

D'Fontaines Quarantäne-Upgrade veranschaulicht, was wir in dieser Zeit gerade alle durchmachen: Die Pandemie hat unser Leben komplett auf den Kopf gestellt, einschließlich unserer Trainingsroutinen. Doch selbst die fehlenden Fitnessgeräte und Trainingsräume – und unser Motivationsloch – konnten uns nicht aufhalten. Ganz im Gegenteil. Wir hatten Zeit, innezuhalten, zu reflektieren und darüber nachzudenken, wie, wo und warum wir uns eigentlich bewegen.

Von selbsterklärten Couch Potatoes, die zum ersten Mal laufen gehen, bis hin zu Para-Sportlern, die ein wirklich inklusives Gym austüfteln – Veränderungen wie diese waren schon längst überfällig.

Aber sie waren nicht immer einfach.

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Bronx, NY, September 2020. Trainer Anwar Carroll kommt mit einer seiner Kundinnen, Miranda Martell, zum virtuellen Workout zusammen. Da Sportgeräte Mangelware sind, kam Carroll die Idee, Haushaltsgegenstände wie zusammengeklebte Suppendosen, vollgepackte Sporttaschen und mit Beton gefüllte Plastikrohre zu verwenden.

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Bronx, NY, September 2020. Trainer Anwar Carroll kommt mit einer seiner Kundinnen, Miranda Martell, zum virtuellen Workout zusammen. Da Sportgeräte Mangelware sind, kam Carroll die Idee, Haushaltsgegenstände wie zusammengeklebte Suppendosen, vollgepackte Sporttaschen und mit Beton gefüllte Plastikrohre zu verwenden.

Heiß umkämpft: Wenn Fitnessausrüstung ausverkauft ist, werden Athlet:innen kreativ

Auf dem Höhepunkt der Großen Toilettenpapierkrise 2020 hatte die Fittnesswelt mit einer weiteren Mangelerscheinung zu kämpfen.

"Hanteln kosteten auf einmal hunderte von Dollar. Man konnte einfach keine Fitnessausrüstung mehr bekommen", erinnert sich Jennifer Lau, Nike Master Trainer aus Toronto. "Einmal trug ich meine Hanteln zum Auto und wurde nacheinander von drei Menschen angesprochen, die fragten, wo ich die her hätte."

Als die Fitness-Studios ihre Türen schließen mussten, schoss die Nachfrage nach Fitnessausrüstung auf einmal durch die Decke, denn alle wollten ihr eigenes Homegym einrichten. Aber Not macht erfinderisch. In diesem Fall wurden die Leute sogar extrem innovativ. Gewichtheben mit dem Staubsauger, Hanteln aus Beton und PVC-Rohren: Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt, wenn es um ein gutes Workout ging.

"Manche unserer Kunden füllten ihre Koffer mit allem möglichen Zeug und nutzten sie für Deadlifts und Weight Squats" erinnert sich Lau. Andere verwendeten Flaschen mit Haushaltsreiniger als Kettlebells, um Laus Onlinetraining optimal zu nutzen. "Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, welche Übungen ich für Haushaltsreiniger-Kettlebells anbieten soll", lacht sie.

Sportgeräte – mal anders

Als in den Supermärkten in allen Teilen der Welt die große Klopapier-Hysterie um sich griff, jagte die Fitnesswelt einem anderen raren Gut hinterher.

"Hanteln kosteten plötzlich mehrere Hundert Dollar. Wir konnten kein einziges Gerät mehr bekommen", erinnert sich Jennifer Lau, Nike Master Trainerin aus Toronto. "Als ich meine Hanteln zum Auto trug, wurde ich von drei verschiedenen Leute angesprochen, woher ich sie hätte."

Als die Fitnessstudios schließen mussten, stieg die Nachfrage nach Sportgeräten abrupt an, weil jeder seine Workouts zu Hause machen wollte. Aber Not macht ja bekanntermaßen erfinderisch – und das war dann auch tatsächlich so. Fürs Bankdrücken beispielsweise mussten nicht nur Staubsauger herhalten, sondern auch mit Beton gefüllte Plastikstangen und das war erst der Anfang. Das Workout war ein kreativer Ansporn.

"Wir hatten Kunden, die ihre Koffer bis obenhin vollstopften, um damit Kreuzheben oder Kniebeugen zu machen", erinnert sich Lau. Manche schnappten sich sogar Haushaltsreiniger anstelle von Kettlebells und pushten damit Laus Grenzen als virtuelle Trainerin. "Ich weiß einfach nicht, wie ich einen Kettlebell Clean mit einer Flasche Bleichmittel coachen soll", sagt sie und lacht.

Fitnesstipps in Zeiten der Pandemie RÜCKSICHT NEHMEN: Nike Coach Chris Bennett rät dazu, beim Laufen Rücksicht auf andere zu nehmen – also Maske zu tragen und bei Bedarf Platz zu machen. STELLUNGEN HALTEN: Um möglichst viel aus dem Krafttraining herauszuholen, hat Jennifer Lau ein wenig mit der Dauer, für die ein Muskel unter Spannung bleibt, herumexperimentiert. Mit dem Muskelkater am nächsten Tag hat sie nicht gerechnet. (Videos: @coachbennett und @itsjenniferlau)

Während die einen ihre Trainingsgeräte selbst zusammenbastelten, wandten sich die anderen einem Sport zu, für den man fast gar keine Ausrüstung braucht: dem Laufen.

"Das Coole am Laufen ist, dass man eigentlich nur Schuhe braucht, um loszulegen", sagt Kiran Kripakaran, Digital Product Director der Nike Run Club App. Seit dem Ausbruch der Pandemie hat er einen regelrechten Laufboom festgestellt – die Anzahl der wöchentlich aktiven App-Nutzer ist im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so hoch. "Wir verspüren den natürlichen Drang, davonzulaufen, wenn wir mit verrückten Situationen wie der aktuellen konfrontiert sind", spekuliert er. "Wir wollen fliehen. Wir wollen uns bewegen"

Laut Chris "Coach" Bennett, Senior Director für Laufprogramme bei Nike, gibt es noch eine weitere Ausrüstung, ohne die wir unsere Läufe in diesen Tagen nicht starten sollten: den Mund-Nasen-Schutz. "Wer bei seinen Läufen im Freien auf andere Personen Rücksicht nimmt, wird auch einen guten Lauf haben", so Bennett.

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Brooklyn, NY, September 2020. Shannon Green mit ihren 9 und 12 Jahre alten Kindern beim Live-Stream mit Trainer Carroll. Seit dem Ausbruch von COVID-19 nehmen sie gelegentlich an seinen Workouts teil. Eine Wand in ihrem Wohnzimmer ist mit handgeschriebenen Trainingsroutinen übersät, die sich über Monate angesammelt haben.

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Brooklyn, NY, September 2020. Shannon Green mit ihren 9 und 12 Jahre alten Kindern beim Live-Stream mit Trainer Carroll. Seit dem Ausbruch von COVID-19 nehmen sie gelegentlich an seinen Workouts teil. Eine Wand in ihrem Wohnzimmer ist mit handgeschriebenen Trainingsroutinen übersät, die sich über Monate angesammelt haben.

Es muss nicht immer das Gym sein: Neue Orte für das Training

Laufen bietet viele Vorteile, aber nicht jeder kann einfach raus gehen und loslegen. Für einige von uns ist die Welt auf einmal auf einige Quadratmeter zusammengeschrumpft.

"Die größte Herausforderung war es, in der Wohnung Platz für das Training zu finden", erzählt Shannon Green, Anwältin und Mutter aus New York City. Vor dem Lockdown ging sie sechs Mal in der Woche ins Gym und nahm mit ihrer "6 a.m. Crew" am Gruppentraining teil. Dann kam die Zeit der Selbstisolation mit Mann und Kindern zuhause. Da war es gar nicht so leicht, das Trainingspensum beizubehalten. "Unser Wohnzimmer ist sehr offen gestaltet und auf dem Boden liegen ständig Bücher oder Spielsachen rum", so Shannon. "Wer zuhause Sport machen will, gerät schnell in Konflikt mit anderen Familienmitgliedern, die etwas anderes machen möchten oder etwas Dringendes erledigen müssen."

Aber auch wenn Arbeit, Alltag und Sport auf einmal auf engstem Raum stattfinden mussten: Athlet:innen auf der ganzen Welt haben sich davon nicht aufhalten lassen.

"Egal, wie viel Platz du hast, es findet sich immer eine Möglichkeit zu laufen, zu joggen, spazieren zu gehen oder Treppen zu steigen", erklärt Kripakaran. Trainer:innen erzählen, dass ihre Kund:innen sogar Sofas zur Seite geschoben und Abstellräume leer geräumt haben, um weiter Sport zu machen. Es gibt sogar die Geschichte von einem Mann in Hangzhou in China, der einen ganzen Marathon in seiner Wohnung gelaufen ist.

Menschen, die vor der Pandemie in klassischen Workout-Einrichtungen nicht die richtigen Trainingsbedingungen fanden, hatten in dieser Zeit zu Hause die Chance, für sich selbst neue Trainingsmöglichkeiten zu entdecken.

"Zu Hause bin ich viel stärker geworden als in jedem Gym, in dem ich bisher trainiert habe", erzählt Adaptive Athlete Wesley Hamilton, der kürzlich seine Garage in Kansas City in ein ultimatives Gym verwandelt hat. In öffentlichen Studios musste der Rollstuhlsportler beim Gewichtheben oft die Blicke anderer ertragen und die oft nicht behindertengerechte Ausstattung machte das Training nicht unbedingt leichter.

Neuen Platz finden

Obwohl der Laufsport gerade einen großen Moment erlebt, haben nicht alle die Möglichkeit, raus zu gehen. Für einige von uns ist die Welt auf wenige Quadratmeter zusammengeschrumpft.

"Am Schwierigsten ist es, in der Wohnung Platz fürs Workout zu schaffen", sagt Shannon Green, eine in New York City lebende Anwältin und Mutter. Vor dem Lockdown ging sie bis zu sechs Mal pro Woche immer morgens um sechs zu einem Gruppenkurs im Fitnessstudio. Als sie sich mit ihren Kindern und ihrem Ehemann isolieren musste, war das ein Prüfstand für ihre Sportroutine. "Unser Wohnzimmer ist offen gestaltet und auf dem Boden liegen meistens Bücher, Spielzeug oder eben Kinder", sagt sie. "Zu Hause Sport zu machen, kann die anderen Familienmitglieder stören, wenn sie etwas erledigen müssen."

Aber selbst auf engstem Raum leben und arbeiten zu müssen, hält uns nicht davon ab, weiter Sport zu treiben.

"Egal wie viel Platz vorhanden ist, Leute finden einen Weg, laufen, joggen oder spazieren zu gehen oder Treppen zu steigen", sagt Kripakaran. Von Trainern hören wir, dass Kunden ihre Sofas hochkannt stellen und Abstellräume freiräumen, um ihre Sportroutine fortzusetzen. Es gibt sogar Berichte über einen Mann aus Hangzhou, China, der einen ganzen Marathon hinlegte, indem er im Kreis um seine Möbel lief.

Für diejenigen unter uns, die schon vor der Pandemie in klassischen Trainingsräumen nicht das fanden, was sie brauchten, war die Zeit zu Hause eine neue, positive Möglichkeit so zu trainieren, wie sie es wollten.

"Ich habe festgestellt, dass ich mir viel mehr Kraft antrainieren konnte als in den Fitnessstudios, die ich besuchte", sagt Para-Sportler Wesley Hamilton, der kürzlich die Garage bei sich zu Hause in Kansas City in ein eigenes Fitnessstudio umgebaut hat. In öffentlichen Fitnessstudios wurde er oft angestarrt, während er in seinem Rollstuhl Gewichte hob, und er fühlte sich durch die nicht behindertengerechten Geräte eingeschränkt.

Fitness-Tipp in Zeiten der Pandemie: HOL DIR DEN BERG NACH HAUSE. Weil sie ihrem Lieblingssport aufgrund der geschlossenen Parks nicht mehr nachgehen konnten, bauten Mitglieder der Jackelyn Ho Climbing Community Kletterwände bei sich zu Hause. DIY NACH MASS. Wesley Hamilton fühlt sich in seiner umfunktionierten Garage wohler als in öffentlichen Fitnessstudios und hebt mehr Gewichte als je zuvor. (Videos: @jackelynho und @iamweshamilton)

In seinem eigenen Fitnessraum gibt es keine Einschränkungen für Hamilton mehr. Mittlerweile kann er 125 Kilo stemmen, während er früher bei 91 Kilo aufhören musste. "Ich bin nicht einfach so stärker geworden", sagt er. "Ich bin jetzt stärker, weil ich mich wohl fühle."

Neben der Ausstattung der eigenen Fitnessräume erleben wir auch immer mehr Exkursionen in digitales Neuland.

"Was gerade passiert, hätte längst passieren sollen: Wir bieten unseren Service nun weltweit an", sagt D'Fontaine, dessen Tanzfitnesskurse inzwischen weit über seine Studios in Brooklyn und London hinaus besucht werden. Aufgrund der Herausforderung, die Tanzkurse in einer virtuellen Umgebung vor stummen Bildschirmen zu unterrichten, könnten die digitalen Plattformen laut D'Fontaine aber noch verbessert werden. "Wir brauchen Tools, die das Erlebnis bereichern, damit es mehr Spaß macht und etwas Besonderes ist. Ich mag eben gerne die große Show."

Mit der Wiedereröffnung einiger Fitnessstudios sehen wir eine weitere Welle der kreativen und inklusiven Raumnutzung auf uns zurollen – mit allen nötigen Sicherheitsmaßnahmen versteht sich. Jennifer Laus Fitnessstudio in Toronto hat zum Beispiel damit begonnen, Kurse für sowohl persönliche als auch virtuelle Teilnehmer anzubieten, damit die Gruppen im Studio klein bleiben. Die Anwesenden machen ihre Workouts in separaten "Pods", um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten.

Hamiltons Garagen-Gym ist mittlerweile auch für andere Para-Sportler geöffnet. Gleichzeitig hat er aus einem Anhänger ein mobiles Fitnessstudio gemacht, das er in die örtlichen Parks bringen kann (mit jeder Menge Desinfektionsmittel im Schlepptau). "Im Moment trainiere ich fünf Menschen mit Behinderung", sagt er. "Es ist so motivierend zu hören, wie dieses Studio ihnen die Augen geöffnet hat ... Jetzt haben auch sie einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen."

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Brooklyn, NY, September 2020. Carroll leitet ein Workout auf den Handballplätzen am Stroud Playground. Der Mindestabstand und Gesichtsschutz sowie die behelfsmäßigen Gewichte und das elektrostatische Sprühgerät zur Desinfektion der Sportausrüstung sind Zeichen der Zeit. Wer lieber von zu Hause aus mitmacht, kann sich digital einwählen.

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Brooklyn, NY, September 2020. Carroll leitet ein Workout auf den Handballplätzen am Stroud Playground. Der Mindestabstand und Gesichtsschutz sowie die behelfsmäßigen Gewichte und das elektrostatische Sprühgerät zur Desinfektion der Sportausrüstung sind Zeichen der Zeit. Wer lieber von zu Hause aus mitmacht, kann sich digital einwählen.

Nicht aufgeben: So bleiben wir motiviert

Es gibt nicht nur Athlet:innen, die Erfolge feiern dürfen, sondern auch solche, die darum kämpfen müssen, am Ball zu bleiben: berufstätige Eltern, überarbeitete Studenten oder Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, weil ihre Betriebe schließen mussten. Da ist es gar nicht so einfach, dem Training weiterhin treu zu bleiben. Dabei ist es gerade jetzt wichtiger als jemals zuvor.

"Es ist wie im Flugzeug: Erst die eigene Sauerstoffmaske überziehen, bevor man anderen hilft", erklärt Katie Ruoff, Digital Product Director für die Nike Training Club App. Bevor du für andere da sein kannst, musst du dich erst einmal um dich selbst kümmern.

Diese Selbstfürsorge kann viele Formen annehmen. Als die Pandemie richtig Fahrt aufnahm, dachten Ruoff und ihr Team, die NTC Nutzer:innen würden sich vor allem auf Yoga konzentrieren, um in dem Chaos ein wenig Ruhe zu finden. Aber genau das Gegenteil war der Fall: Die Daten zeigten, dass hochintensive Workouts der eigentliche Renner waren. "Die Menschen waren gestresst und wollten sich abreagieren, indem sie richtig ins Schwitzen kamen", ist Ruoff überzeugt.

Es ist völlig in Ordnung, klein anzufangen. Dance Instructor D’Fontaine zum Beispiel erzählt, dass er beim Videospielen manchmal einfach ein paar Glute Bridges macht und das Gefühlt hat, dass ihm das wirklich etwas bringt. "Du musst dich mit dem wohl fühlen, was dein Körper dir erlaubt, und nicht mehr von dir verlangen. Wir können nicht alle eine Serena Williams sein", erklärt er.

Green, die Mutter aus New York, gibt anderen Eltern einen ähnlichen Rat: Tu, was du kannst und wann du es kannst. "Manchmal erlauben dein Zeitplan oder deine Ausdauer nur 7 Minuten, manchmal kannst du gar nicht genug bekommen. Auch das sind Fitnesserfolge", erklärt sie.

So bleiben wir motiviert

Für jeden Athleten, der einen Weg findet, aufzublühen, gibt es einen anderen, der damit kämpft, am Ball zu bleiben. Egal ob berufstätige Mütter oder Väter, überforderte Studenten oder kürzlich arbeitslos gemachte Menschen – es ist nicht immer einfach, dem Sport Priorität einzuräumen. Aber jetzt ist es womöglich wichtiger als je zuvor.

"Den Satz 'Setzen Sie zuerst Ihre eigene Sauerstoffmaske auf' haben wir schon oft gehört", sagt Katie Ruoff, Digital Product Director für die Nike Training Club App. Bevor wir für andere da sein können, müssen wir uns um uns selbst kümmern.

Dieser fürsorgliche Umgang mit sich selbst kann viele Formen annehmen. Als die Pandemie ausbrach, dachten Ruoff und ihr Team, dass es die App-Nutzer eher zu Yoga ziehen würde, um im Chaos Ruhe zu finden. Doch die Daten zeigen einen Anstieg bei den hochintensiven Workouts. "Die Leute sind gestresst", sagt Ruoff. "Sie wollen schwitzen."

Es ist auch in Ordnung, klein anzufangen. Tanzlehrer D'Fontaine macht zum Beispiel ab und zu ein paar Beckenlifts, während er Videospiele spielt, und betrachtet das als Erfolg. "Wir müssen uns damit anfreunden, dass das, was wir tun, ausreicht, statt ständig das Gefühl zu haben, wie Serena Williams sein zu müssen", sagt er.

Green, die Mutter zweier Kinder aus New York, rät Eltern das zu tun, was sie können, wann sie es können. "Manchmal lässt der Zeitplan oder die Ausdauer eben nur 7 Minuten zu, und manchmal müssen wir schon nach der Hälfte des Workouts aufhören", sagt sie. "Auch das sind Fitness-Erfolge!"

Fitness-Tipp in Zeiten der Pandemie: DAMPF ABLASSEN UND ENTSPANNEN. In ihrem speziellen Trainingsprogramm kombiniert Ale Llosa zu gleichen Teilen Yoga mit Kampfsport. (Videos: @alellosako)

Um motiviert zu bleiben, ist es wichtig, den Kontakt zu seinen Freunden und Bekannten aufrecht zu halten – auch wenn man auf ein Treffen verzichten muss.

"Wir Menschen teilen gern unser Leid", scherzt Ruoff, die dreimal pro Woche mit ihren Kolleg:innen via Zoom trainiert. "Das sorgt für ein Gefühl der Gemeinschaft."

Falls du noch keine Workout-Buddys hast, ist die Macht der sozialen Medien nicht zu unterschätzen. "Jeden Morgen feier ich mit 100 verschiedenen Leuten ihre Erfolge", sagt Coach Bennett über seine täglichen Shoutout-Sessions, bei denen er mit Läufern auf der ganzen Welt über ihre Anekdoten spricht. "Das inspiriert und motiviert mich für den Rest des Tages."

Bennett glaubt, dass Sport eine Art Kettenreaktion auslöst. Wenn du also das nächste Mal wieder mit dir ringst, solltest du daran denken, dass Sport nicht nur dir selbst, sondern auch den Menschen um dich herum einen Push verpasst.

"Es ist immer eine gute Sache, wenn Leute laufen gehen", so Bennett. "Wenn sich jemand beim Laufen richtig auspowert, regt er sich zum Beispiel anschließend hinter dem Steuer seines Autos weniger auf und ist insgesamt freundlicher zu seinen Mitmenschen. Wenn also Millionen Menschen laufen gehen, ist die Welt am nächsten Tag ein besserer Ort."

Die Zukunft des Sports

In Anbetracht der Corona-Pandemie überrascht es wenig, dass wir alle einen Schritt zurücktreten, um zu reflektieren, die Karten neu zu mischen und unserer Gesundheit wieder Priorität zu geben. Die Veränderungen werden uns letztlich stärker und schlauer machen – und sie werden den Sport zum Besseren verändern, sofern wir ihn für uns und zukünftige Generationen voranbringen.

"Meine Kinder lernen, dass Fitness viele Formen annehmen kann", sagt Green. "Manchmal ist es eine Tanzeinlage oder wir springen auf den Möbeln rum und manchmal machen wir einfach Huckepack."

Auch Athletinnen und Athleten nutzen diesen Moment, um sicherzustellen, dass jeder Mensch einen Platz im Sport hat. Laut Nike Trainer D'Fontaine ruft uns die aktuelle Situation dazu auf, vorzutreten und für echte Veränderungen zu sorgen.

"Echt bedeutet, echte Dinge für echte Menschen in Echtzeit zu tun", sagt er. "Es bedeutet, Fitness komplett zu diversifizieren – egal, ob in puncto Geld, Klasse, Sexualität, Hautfarbe oder Religion ."

Trotz gewaltiger Herausforderungen sehen wir, wie sich diese Denkweise allmählich dank des Scharfsinns, des Mutes und der Widerstandsfähigkeit, den Athletinnen und Athleten auf allen Ebenen zeigen, durchsetzt. Denn am Ende geht es nicht um die Hindernisse. Es geht darum, sie gemeinsam zu überwinden. Hamilton aus Kansas City fasst es wunderbar zusammen: "Wenn du es willst, machst du es."

Text: Emily Jensen und Zito Madu
Fotos: Courtney Sofiah Yates

Gemeldet: Oktober 2020

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