Biomaterial selbst herstellen und mit natürlichen Lebensmitteln die Zukunft gestalten

Innovation

Erfahre, wie du aus Algen natürlichen Kunststoff herstellst, und lass dir von Nike Designerin Rikke Bonde zeigen, wie du deinen Entdeckergeist ausleben kannst.

Letzte Aktualisierung: 9. November 2021
8 Min. Lesezeit

"Hands On" ist eine Serie, in der dir kreative Vordenker und Künstler Techniken und Tipps hinter dem Designprozess verraten.

Du kannst von Rezepten für Bananenbrot nicht genug bekommen oder magst es, mit einem Sauerteig-Starter herumzuexperimentieren? Dann ist dieses Kochtutorial der etwas anderen Art von Nike Materialdesignerin Rikke Bonde genau das Richtige für dich.

"Als die Pandemie begann, sah ich darin eine willkommene Gelegenheit, mich zu Hause an verschiedenen Experimenten zu probieren", erzählt sie. Rikke arbeitete von zu Hause aus und beschloss, ein Nebenprojekt anzugehen, das ihr schon lange vorschwebte. Sie richtete sich ein einfaches Labor ein, in dem sie Dutzende von Rezepten für Biomaterialien – haltbare kunststoff- oder gummiähnliche Substanzen aus natürlichen Zutaten – erforschen, testen und entwickeln konnte. "Ich habe meine eigenen Regeln aufgestellt und beispielsweise nur Sachen verwendet, die ich [zu Hause] habe", erzählt sie über ihren auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Ansatz.

"Für mich sind Biomaterialien die Zukunft", so Rikke. "Wir haben zu viel Zeug zu Hause rumstehen und müssen herausfinden, wie wir es wiederverwenden oder einem neuen Zweck zuführen können. Welche Möglichkeiten bieten uns Materialien, die die geringsten Auswirkungen auf unsere Umwelt haben? Wie können wir diese Materialien miteinander verbinden, um sie stärker oder besser zu machen oder ihnen ein neues Aussehen zu geben?"

Hands on: Biomaterial selbst herstellen

In ihrem Job bei Nike ist Rikke Designerin, Wissenschaftlerin und Köchin in einer Person und arbeitet an der stetigen innovativen Weiterentwicklung der Materialien für unsere Schuhdesigner. In ihrem Nebenprojekt "Biomaterialien" kombiniert sie ihre angeborene Begabung für Problemlösungen mit chemischen Reaktionen und veganen Kochtechniken.

Die Antworten auf ihre Fragen findet Rikke in ihrer eigenen Küche. Dort erfindet sie neue Materialien mit Milch, Gelatine, Algen und Aquafaba, das dickflüssige Kochwasser von Kichererbsen, Bohnen und anderen Hülsenfrüchten, das manchmal als veganer Ersatz für Eiweiß dient. Diese Materialien erweckt sie mit natürlichen Farbstoffen, beispielsweise aus Blumen, Roter Bete, Grünkohl oder Kurkuma, zum Leben.

Kleine Erfolge können für Rikke sehr befriedigend sein. Ihre ständigen Versuche, Fehlschläge, Optimierungen und Anpassungen haben zu unzähligen Wiederholungen geführt. Trotzdem bleibt das Entdecken und Erforschen für sie extrem spannend und reizvoll. "Es ist irgendwie magisch, weil der Prozess so einfach ist", sagt sie. "Man fängt mit etwas an, aus dem dann am Ende etwas ganz anderes geworden ist."

Im Video oben erfährst du mehr über Rikkes Biolabor zu Hause und darüber, wie du aus Agar (einem aus Algen gewonnenen Verdickungsmittel für Lebensmittel) deinen eigenen Bio-Kunststoff herstellen kannst. Nachfolgend gibt Rikke Tipps, wie du selbst kreativ werden kannst, und stellt ein paar ihrer früheren Experimente vor. Außerdem kannst du dich auf ein detailliertes Rezept zum Ausprobieren für zu Hause freuen.

Hands on: Biomaterial selbst herstellen

Die Magie von Rikkes Materialien besteht darin, dass jede Substanz einzigartig ist, aber sie alle aus nur einer Handvoll Zutaten (Agar, Gelatine, Kasein oder Stärke) und Zusätzen (natürliche Farbstoffe und Lebensmittelabfälle) hergestellt werden. AGAR: (1) Kaffeesatz, (2) Karottensaft/Eierschalen/Kork, (3) Rote Bete zum Färben/Zwiebelschalen zum Färben, (4) Lebensmittelfarbe/Eierschalen, (5) Eierschalen. AGAR-SCHAUM: (6) Pilze zum Färben, (7) Pilze zum Färben. GELATINE: (8) Spirulina Blau, (9) Rote Bete zum Färben/Lebensmittelfarbe, (10) Rotkohl zum Färben, (11) Rote Bete zum Färben, (12) Färbemittel aus Blüten/Kurkuma. GELATINE-SCHAUM: (13) Färbemittel aus Blüten/Spirulina, (14) Rotkohl/Kurkuma. KASEIN: (15) Spirulina/Zwiebelschalen zum Färben, (16) Spirulina/Lebensmittelfarbe, (17) Spirulina Blau. MAISSTÄRKE: (18) Chiliflocken, (19) Kurkuma, (20) Kurkuma. KARTOFFELSTÄRKE: (21) Experimentabfälle, (22) Lavendel.

Nur keine Angst beim Experimentieren (und weitere Tipps von Rikke)

Tipp Nr. 1: Es gibt keine schlechten Experimente

"Unzählige Male hat es nicht geklappt", erzählt Rikke über ihre Rezepte für Biomaterialien. "Aber es hat mich angespornt, eine zweite Version auszuprobieren. Momentan arbeite ich an einer dritten Version. Es ist einfach ein stetiger Lernprozess."

Das Experimentieren mit Zutatenmengen und verschiedenen Temperaturen hat zu neuen Ideen und Ergebnissen geführt (einige davon siehst du oben), die Rikke ihrem Team vorstellte. "Wie ein kleines Museum oder ein kleiner Blick in die Zukunft", sagt sie.

Rikkes Wissbegierde und Hartnäckigkeit – nicht aufzugeben, auch wenn sich die Dinge nicht so entwickeln, wie sie es erwartet hatte – waren der Schlüssel zum Fortschritt ihres Projekts. "Ich habe einfach mutig drauflos experimentiert", erzählt sie. "Ich wollte es einfach wissen, und ich wollte es selbst ausprobieren."

Tipp Nr. 2: Verwende nur das, was einfach (und natürlich) verfügbar ist

"Man muss seine eigenen Farbstoffe herstellen und viel ausprobieren und testen", sagt Rikke und bezieht sich damit auf ihre selbst auferlegte Einschränkung, nur das zu verwenden, was sie zu Hause greifbar hat.

Bei ihren Experimenten fand sie heraus, welche wichtigen Zutaten man am besten immer zu Hause haben sollte – Algen beispielsweise, die "sehr viele Vorteile haben. Sie können den Kohlenstoff aus der Luft aufnehmen und sind biologisch abbaubar", erzählt sie. "Man kann sie nicht nur essen, sondern auch Materialien daraus herstellen, und außerdem kann man sie als Kleber verwenden."

Eigene Färbemittel lassen sich herstellen, indem du Blüten in kräftigen Farben mit Salz kochst, um die natürlichen Farbstoffe zu extrahieren. "Ohne Farben könnte ich nicht leben", sagt Rikke, die bereits über ein neues Experiment nachdenkt, bei dem sie ihre eigenen Kreationen wiederverwenden will. "Es wäre extrem cool, wenn man auch Biomaterialien zur Herstellung von Farbstoffen verwenden könnte …"

Tipp Nr. 3: Bleib neugierig und experimentier immer weiter

"Schon als Kind hatte ich ständig neue Ideen", sagt Rikke über ihre angeborene Neugierde und Kreativität. Es inspiriert sie immer noch, die Grenzen des Möglichen auszuloten – und sie ruht sich nie auf ihren Erfolgen aus. "Ich sage immer: 'OK, das hat funktioniert. Wie kann ich das jetzt weiterentwickeln?'"

Hands on: Biomaterial selbst herstellen

Dein eigener Bio-Kunststoff aus Agar

Hier ist eines von Rikkes Lieblingsrezepten für Biomaterialien, das sie immer weiter optimiert hat. Dieses Rezept wird auch im Video oben gezeigt.

Hinweis: Da du mit heißer Flüssigkeit arbeitest, ist die Beaufsichtigung durch einen Erwachsenen sowie die Verwendung einer Schutzbrille und von Handschuhen erforderlich.

Benötigte Küchenutensilien

  • Küchenwaage
  • Messbecher
  • Topf
  • Rührlöffel
  • Thermometer
  • Jeder Behälter, der für heiße Flüssigkeiten geeignet ist, z. B. Kuchenformen oder Petrischalen

Zutaten

  • 80 ml Wasser
  • 3 g Agar
  • 12 g Glycerin/Glycerol
  • Lebensmittelfarbe oder selbstgemachte natürliche Färbemittel (optional)

Anleitung

  1. Gib Wasser, Agar und Glycerin in einen Topf und rühr mit dem Rührlöffel so lange, bis sich Agar und Glycerin aufgelöst haben.
  2. Stell den Topf auf den Herd und erhitz die Mischung unter ständigem Rühren bis knapp unter den Siedepunkt (ca. 100 ºC). Sobald die Mischung Blasen wirft, nimm den Topf von der Herdplatte und rühr weiter. Schöpf den Schaum mit einem Löffel von der Oberfläche ab. (Schaum, der an der Oberfläche bleibt, verursacht später Luftblasen in deinem Bio-Kunststoff).
  3. Gieß die Flüssigkeit in die Kuchenform/en oder andere Behälter. Gib Färbemittel oder andere dekorative Elemente wie Korkstückchen oder Blumen hinzu, wenn du magst.
  4. Lass das Material 30 bis 60 Minuten stehen, damit es fest wird, und löse es anschließend aus der Form. (Hinweis: Das Material kann sich in den nächsten 1 bis 2 Tagen weiter verändern, zum Beispiel in seiner Festigkeit oder Form).
  5. Sieh dir dein Werk genau an! Überleg dir dann, wie du den Vorgang für das nächste Mal verbessern kannst, beispielsweise durch ein anderes Mischverhältnis, durch dünnere oder dickere Proben oder durch Hinzufügen neuer Deko-Elemente.

TIPP: Für Farbe und Textur kannst du Lebensmittelabfälle wie Kaffeesatz, Orangen-/Zwiebel-/Kartoffelschalen, Chiliflocken, Teeblätter, Eierschalen usw. hinzufügen. Stell aus farbintensiven Zutaten wie Kurkuma, Rote-Bete-Saft, Spirulina-Pulver oder Aktivkohle deine eigenen natürlichen Färbemittel her.

WISSENSWERTES: Biokunststoff ist älter als aus Erdöl hergestellter Kunststoff. Bereits im 15. Jahrhundert v. Chr. verwendeten die Ägypter Klebstoffe aus Kollagen, Kasein oder Albumin für die Fertigung von Möbeln.

Hands on: Biomaterial selbst herstellen

Über den Link unten kannst du dieses Rezept ausdrucken.
(Hinweis: PDF nur in Englisch verfügbar.)

Video: Azsa West
Text: Brinkley Fox

Gemeldet: November 2020

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