Die Geschichte von SPION KOP 1906

Unter den Fans des FC Liverpool gibt es einen altbekannten Spruch: "You got your education from The Kop", auf Deutsch "The Kop war dein Lehrmeister". "The Kop", so heißt die legendäre Tribüne im Heimstadion des FC Liverpool, auf der sich regelmäßig die treuesten Anhänger des Clubs versammeln. Dieses Fanzine bringt dir diese weltweit einzigartige Gemeinschaft von Fußballfans näher.

In der Tat war und ist der Kop Lehrmeister für viele: Junge Liverpooler Fußballfans lernten dort die Kunst der Fangesänge, gespickt mit Bezügen zur Popkultur und rauem Liverpooler Wortwitz. Diese Gesänge wiederum inspirierten Fanblocks aus der ganzen Welt und wurden von ihnen teilweise auch komplett übernommen. Und nicht selten knicken auch die Spieler der gegnerischen Mannschaften vor der einzigartigen Atmosphäre in Anfield ein.

Der Kop wurde 1906 errichtet und ist benannt nach dem südafrikanischen Berg Spion Kop, an dem im Burenkrieg viele britische Soldaten, insbesondere aus Liverpool, bei der gleichnamigen Schlacht den Tod fanden. Mittlerweile ist diese Tribüne zu einer ganz eigenen Kulturikone geworden. Während der Swinging Sixties und der Dominanz Liverpools im europäischen Fußball in den 70er- und 80er-Jahren war sie berühmt für ihre lautstarke Atmosphäre, spontanen Fangesänge, selbstgemachten Banner und die Verspottungen der gegnerischen Spieler.

Die Besucher dieser Tribüne werden als "Kopites" bezeichnet, gleichzeitig ist der Begriff auch ein Synonym für alle Fans der Liverpooler Reds. Die Kopites sehen sich nicht als Eigentümer des Kop, sondern als diejenigen, die ihr Brauchtum letztlich an eine jüngere Generation weitergeben, deren Aufgabe es wiederum sein wird, die Traditionen des Kop weiterzuentwickeln und sie an das Geschehen auf dem Spielfeld in Anfield und in den weiterläufigen Communities der Merseyside anzupassen. Jetzt, da die Reds den langersehnten Titel gewonnen haben und die Verbindungen zwischen denjenigen auf der Tribüne und in der Vorstandsetage stärker und enger denn je zu sein scheinen, erfährt Liverpool neue Formen der Unterstützung.

Die Atmosphäre neu beleben

Die Fanvereinigung Spion Kop 1906 wurde 2013 gegründet und ist im Kop für die Flaggen verantwortlich. Damals zählte sie zu den wenigen inoffiziellen Fanorganisationen, die sich als die Hüter der Kop betrachteten. Heute tritt sie stärker und einheitlicher denn je auf und bringt neue, jüngere Kopiten hervor.

"Wir waren eigentlich nur ein paar Liverpooler Jungs, die den Verein bei Heim- und Auswärtsspielen begleiteten", erklärt Chris Hudson, ein Gründungsmitglied von Spion Kop 1906. "Im Kop standen wir alle immer im gleichen Block und einige von uns haben in Anfield ihre Flaggen geschwenkt. Wir wollten was verändern, denn die Atmosphäre im Stadion konnte man echt vergessen. Wir dachten, wenn wir uns alle zusammentun und wieder ein bisschen Farbe und Tradition nach Anfield zurückholen, könnte sich die Stimmung verbessern.

Also beschlossen wir, uns als Gruppe mit unseren Flaggen unten am Kop aufzustellen. Und dann begannen wir in Eigeninitiative, uns ums Flaggenschwenken zu kümmern. Wir wollten einfach, dass alle das Spiel genießen können, und Anfield optisch und von der Atmosphäre her zu einem attraktiven Stadion machen. Mehr wollten wir gar nicht."

Was Liverpool ausmacht, ist dieser einzigartige Spirit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und echte Veränderungen herbeizuführen. Diese Einstellung bracht die Reds wieder an die Spitze – und Anfield erlebte in diesem Jahr eine wahre Revolution. Die erfolgreiche Mannschaft um Jürgen Klopp hat die ohnehin schon beeindruckende Sammlung des Vereins an europäischen Trophäen erweitert, war drei Spielzeiten lang in der heimischen Liga ungeschlagen und holte schließlich die begehrteste Trophäe des englischen Fußballs nach Hause.

Liverpool-Fans: Eine globale Familie

Solidarität bringt Erfolg

Außerhalb des Spielfelds und auf den Tribünen verläuft die Entwicklung ähnlich: Zusammen mit der Liverpooler Fanorganisation Spirit of Shankly – benannt nach Liverpools legendärem Manager Bill Shankly, der den Club aus der damaligen zweiten Liga bis ganz an die Spitze des englischen Fußballs brachte – und einigen anderen inoffiziellen Fanbewegungen bringt Spion Kop 1906 ein jüngeres Publikum nach Anfield. Nach einer schwierigen Phase näherten sich Kop und Club wieder an und die Fans scheinen ihren Helden auf dem Spielfeld näher zu sein als je zuvor.

"Ich bin 27 und habe mein ganzes Leben lang auf diesen Tag gewartet ", erzählt Max Stevens, ein weiteres Mitglied der Gruppe. "1906 besteht aus Jungs, die entweder noch gar nicht geboren waren, als Liverpool zuletzt den Titel holte, oder zu jung sind, um sich daran zu erinnern. Das ist also ein großer Moment für uns alle. Es hat lange gedauert. Unfassbar, dass wir es endlich geschafft haben.

Ich glaube, das spürt auch die Mannschaft mehr denn je. Solidarität und Zusammengehörigkeit sind ein ganz wesentlicher Teil der aktuellen Erfolge. Wir alle sind mit den Geschichten von Shankly und seiner Vision vom Sozialismus im Fußball und im Leben aufgewachsen. Momentan kommt unsere jetzige Mannschaft ziemlich nah an die ganzen Geschichten ran, mit denen wir aufgewachsen sind."

Da alle an einem Strang ziehen und auf dem Spielfeld endlich alles rund lief, konnte Spion Kop – wie sie es schon immer getan hatten – seine Aufmerksamkeit auf Ursachen und Missstände jenseits des Fußballs und über die Grenzen von Anfield hinaus lenken. Der Sozialismus von Shankly ist für sie nicht nur ein markiger Slogan, und ihre Werte gehen weit über Sprüche auf roten selbstgemachten Flaggen hinaus.

Die Dinge anders angehen

Gemeinschaft ist für den Kop extrem wichtig. Fußball kann eine Gemeinschaft enger zusammenschweißen, und der Kop ist eine Gemeinschaft und Community in sich. Chris erklärt: "Wir alle sind Teil unserer Stadt, und der LFC vereint uns – ob es nun darum geht, die Atmosphäre in Anfield lebendig zu halten oder Wohltätigkeitsorganisationen in der Stadt zu unterstützen. Dazu gehört auch die Unterstützung lokaler Tafeln und der Obdachlosen in Liverpool. Wir sehen uns selbst gerne als eine einzigartige Gruppe von Fußballfans und glauben, dass wir die Dinge anders angehen."

Die Leidenschaft von Max und Chris ist spürbar. Ihr Herz schlägt nicht nur für den Fußballclub, sondern auch für Liverpool selbst und die Menschen, die hier leben. Für Spion Kop 1906 ist beides untrennbar miteinander verbunden.

Liverpool-Fans: Eine globale Familie

Wie geht es also weiter? Chris und Max haben alles erlebt: die grandiosen Erfolge ihres Clubs und die Fan-Revolution in Anfield, bei der sie hautnah dabei waren. Was könnte das jetzt noch toppen?

"Hauptsächlich geht es uns darum, das, was wir haben, für die nächste Generation zu schützen", erklärt Chris und zeigt auf Sam, Lewis und Jordi, drei der jüngsten Mitglieder von Spion Kop 1906.

"Wir brauchen sie. Zum Glück haben wir viele tolle Jugendliche, die unsere Aufgaben und Traditionen weiterführen. Wir wollen zeigen, dass sich niemand von uns eingeschüchtert fühlen soll, dass wir offen und zugänglich sind und nach einer neuen Generation suchen, die die Dinge für alle besser macht. Denn, seien wir mal ehrlich, ein paar von uns werden ja nicht jünger."

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